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6/9 Planetaren Grenzen sind überschritten – Welche Folgen das für Ihr Unternehmen hat

Als Rockström et al. (2009) das Konzept der Planetaren Grenzen veröffentlicht hat, waren drei der neun Planetaren Grenzen überschritten (Klimawandel, Biodiversität, Biochemische Kreisläufe), jetzt 14 Jahre später, hat sich die Anzahl der überschrittenen Grenzen bereits verdoppelt (Richardson et al., 2023). Eine enorme Entwicklung, die aufzeigt, wie stark wir als Menschen in das Erdsystem eingreifen und es verändern. In Hinblick auf unser Verhalten und unsere wirtschaftlichen Aktivitäten, vergessen wir als soziale wie wirtschaftliche Akteure häufig, wie sehr wir jedoch von dem Erdsystem abhängen. Für Unternehmen sind die Planetaren Grenzen von großer Bedeutung, denn deren wirtschaftlicher Erfolg hängt häufig stark von funktionierenden Ökosystem Dienstleistungen ab. Die weitere Verschärfung der Situation wird die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit nicht nur in Deutschland, sondern global stark beeinträchtigen.



1. Planetare Grenzen – Was ist das eigentlich?

2. Bedeutung der Überschreitung für Ihr Unternehmen


1. Planetare Grenzen – was ist das eigentlich?

Spätestens seit 1954[1], ist sich ein Großteil der Forscher:innen einig, dass wir das Zeitalter des Anthropozens erreicht haben. Das bedeutet, ein Zeitalter, in dem wir als Menschen, das Erdsystem maßgeblich und teils irreversible beeinflussen (Steffen et al., 2015). Das Konzept der Planetaren Grenzen, definiert in diesem Kontext, einen sogenannten „sicheren Handlungsraum“ („safe operating space“) (Rockström et al., 2009), in dem Menschen agieren können, ohne das Erdsystem maßgeblich zu verändern. Das bedeutet, dass auch unsere Lebensgrundlage erhalten bleibt, wenn wir innerhalb dieser Grenzen agieren. Die Planetaren Grenzen, decken biochemische Kreisläufe (Phosphor, Stickstoff, Wasser, Kohlenstoff), sowie biophysikalische Merkmale (Klima, Stratosphäre, Ozeane) und anthropogene Merkmale (Biodiversität, Land-systeme) des Erdsystems ab (Rockström et al., 2009).

Wichtig zu verstehen ist, dass es sich bei den Planetaren Grenzen nicht um Schwellenwerte handelt. Vielmehr sind die Grenzen so gesetzt, dass der Menschheit noch Zeit zum Handeln bleibt, ehe ein kritischer Punkt erreicht ist (Rockström et al., 2009). Das bedeutet, dass wir durch kontinuierliches Fortführen unseres Handelns durchaus Kipppunkte[2] erreichen können. Gleichzeitig haben wir aber auch die Chance, durch die Eindämmung unserer Einflüsse, wieder innerhalb der Planetaren Grenzen zu gelangen (Rockström et al., 2009). Aktuell befindet sich beispielsweise „Biodiversität“ deutlich außerhalb der Planetaren Grenzen. Noch besteht aber die Möglichkeit, den Verlust der Biodiversität mit gezielten Maßnahmen zu minimieren und wieder in die Planetaren Grenzen zu bringen. Allerdings muss dies möglichst bald geschehen, da der Biodiversitätsverlust immer weiter voranschreitet. Dies lässt sich auch auf „Biochemische Kreisläufe“, „Neuartige Substanzen“ und „Klimawandel“ übertragen.

2. Bedeutung der Überschreitung für Ihr Unternehmen

Für Unternehmen sind die Planetaren Grenzen von großer Bedeutung, denn deren wirtschaftlicher Erfolg hängt häufig stark mit Ökosystem Dienstleistungen zusammen. Unter Ökosystem Dienstleistungen versteht man Vorteile und „Dienste“, die der Mensch kostenlos von der Umwelt und den Ökosystemen erhält. Darunter fallen zum Beispiel, sauberes Trinkwasser, Nährstoffreicher Boden oder die Regulierung des Klimas.

Betrachtet man beispielsweise eine Brauerei, so ist diese abhängig von den verfügbaren Wasserressourcen, da Bier großteilig aus Wasser besteht. Darüber hinaus benötigt eine Brauerei Rohstoffe wie Hopfen, Weizen und Gerste, die aus landwirtschaftlichen Ökosystemen stammen und deren Wachstum demnach auf Ökosystemdienstleistungen zurückzuführen ist. Ein Rückgang an Ökosystemdienstleistungen durch ein gestörtes Erdsystem, bedeutet also, dass wir zukünftig eventuell auf eines unserer liebsten alkoholischen Getränke verzichten müssen oder nur zu höheren Preisen verfügbar ist. Damit aber nicht genug! Auch die Textilindustrie wird von einem Rückgang an Ökosystemdienstleistungen beeinträchtigt. Aufgrund der hohen Wasserintensität der Branche, wäre sie von einem Rückgang der Wasserressourcen ebenfalls massiv beeinträchtigt. Zudem benötigt die Textilindustrie unter anderem Baumwolle. Diese ist lediglich verfügbar, wenn zum einen die klimatischen Bedingungen gegeben sind und zum anderen, der Boden nährstoffreich ist. Somit bestimmen mindestens drei Ökosystemdienstleistungen darüber, ob der schöne Baumwollpullover tatsächlich produziert werden kann.


Anhand dieser wenigen Beispiele wird bereits deutlich, wie essenziell die Ökosystem Dienstleistungen für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen sind. Insbesondere die Biodiversität hängt stark mit dem Erhalt der Ökosystem Dienstleistungen zusammen. Also die Planetare Grenze, die sich am kritischsten Punkt befindet. Bisher wurde auf eine Biodiversitätsstrategie sehr wenig Wert gelegt, da insbesondere der ökonomische Sektor die Dienstleistungen und Vorteile, die er durch eine hohe Biodiversität erhält, als Gegebenheit betrachtet.

Die CSRD hebt die Bedeutung der Biodiversität im Rahmen des ESRS E4 (Biologische Vielfalt und Ökosysteme) hervor und stellt zudem die klare Verbindung und Gefährdung der Ökosystem Dienstleistungen her. Die im ESRS E4 Standard aufgeführte Biodiversität und Ökosystem Dienstleistungen sind eng verknüpft mit dem ESRS E1 (Klimawandel) E2 (Umweltverschmutzung) sowie ESRS E3, E5 (Wasser und Meeres-Ressourcen; Kreislaufwirtschaft). Die vielen Verknüpfungen zeigen auf, dass ESRS E4 durchaus wesentlich ist.


Mit dem ESRS E4 als wesentlicher Berichtspunkt können sowohl Risiken als auch Chancen einhergehen: Eventuell muss eine Umstellung auf andere (Roh-) Stoffe stattfinden und Kosten für Präventionen sowie für Preissteigerungen getragen werden. Es gibt aber auch die Optionen einer Zertifizierung oder eines Prüfsiegels, welches zu einer besseren Positionierung am Markt beitragen, und gleichzeitig die Umwelt schützen kann.


Abgesehen von der CSRD ist eine Betrachtung der Planetaren Grenzen und ihrer fortschreitenden Übertretung wichtig, da diese eng mit Risiko- und Chancenmanagement zusammenhängen. Eine Veränderung in unserem Erdsystem, geht mit einer Veränderung unserer wirtschaftlichen Bedingungen einher. Um Risiken abschätzen und Präventionsmaßnahmen einleiten zu können, ist es essenziell, als Unternehmen die Planetaren Grenzen zu beobachten und zu einer Minimierung beizutragen.


Zudem leiten die Planetaren Grenzen Unternehmen dazu an, nicht nur die eigenen Umweltauswirkungen anzugehen, sondern die Synergien zwischen den Planetaren Grenzen zu erkennen. Diese Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Grenzen, zeigen deutlich auf, dass das handeln eines einzelnen Unternehmens, zwar zu weniger Umweltauswirkungen in einem Bereich führen kann (Beispielsweise Veränderung des Landnutzungs-systems), es aber die Zusammenarbeit von vielen Unternehmen und deren Stakeholder:innen bedarf, um die Synergien auszuschöpfen und zu einem allumfassenden Rückgang der menschlichen Auswirkungen auf unser Erdsystem beizutragen.


Unternehmen können sich hierbei gegenseitig unterstützen in dem sie Wissen austauschen, Regulierungen besprechen und gemeinsam Chancen und Risiken ausarbeiten. Nur gemeinsam kann es gelingen, wieder in den „Safe operating space“ zurückzukehren.


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[1] 1954 wurden zum ersten Mal radioaktive Sedimente in einem See in Kanada gefunden. „Golden Spike“ für das Zeitalter des Anthropozens. [2] Unter einem Kipppunkt versteht man, dass ein System irreversible verändert wurde


Quellen

Richardson, K., Steffen, W., Lucht, W., Bendtsen, J., Cornell, S. E., Donges, J. F., . . . Rockström, J. (2023). Earth beyond six of nine planetary boundaries. Science Advances, 9(37), eadh2458. https://doi.org/10.1126/sciadv.adh2458

Rockström, J., Steffen, W., Noone, K., Persson, Å., Chapin III, F. S., Lambin, E., ... & Foley, J. (2009). Planetary boundaries: exploring the safe operating space for humanity. Ecology and society, 14(2).

Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J., Cornell, S. E., Fetzer, I., Bennett, E. M., . . . Sörlin, S. (2015). Sustainability. Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science (New York, N.Y.), 347(6223), 1259855. https://doi.org/10.1126/science.1259855


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